Herzlich willkommen bei Sunday Delight! Ich bin Julia Hackober, Journalistin in Berlin, und in diesem Newsletter lassen wir die Woche gemeinsam ausklingen. Heute geht es hier um diese Themen:
Wann sind Millennials so ALT geworden?
Smalltalk-Repertoire: Ein Reporter nur für Taylor-Swift-Themen und der zweitälteste “Sexiest Man Alive”
Binge-Alarm: Nach Paris radeln mit den Bergfreundinnen und ein Schmöker-Tipp
Viel Spaß beim Lesen!
Und in eigener Sache:
Diese Woche startete mein Fellowship im Media Innovation Program der Hamburg Media School in Kooperation mit Meta! In den nächsten sechs Monaten werde ich mich intensiv mit der Zukunft der Medienlandschaft im Allgemeinen und natürlich mit der Zukunft von SUNDAY DELIGHT im Speziellen beschäftigen. Ich freu mich drauf. Mehr über das Förderprogramm und die Projekte meiner Mit-Fellows erfahrt Ihr hier.

Brief von Julia

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“Oh mein Gott, ich hätte nie gedacht, dass du über 30 bist, du siehst gar nicht so aus, krass!”
Leute – ich habe mich noch nie so alt gefühlt wie in dem Moment, in dem ein 18-Jähriger sich schockiert über mein Alter zeigte und später die Hände überm Kopf zusammenschlug, als ich Google Maps seiner Meinung nach nicht richtig verwendete. Ich benutze die App nämlich wie eine Oldschool-Papier-Landkarte und suche mir Orientierungspunkte (“ah, da ist ja die Bank, danach links”), trotte also nicht einfach der Navigation nach. Das findet man mit 18 anscheinend ziemlich peinlich.
Die letzten Tage waren für mich eine Art Schocktherapie im Umgang mit der Generation Z. Ich absolviere gerade ein Förderprogramm für Start-ups in der Medienbranche (s. Hinweis oben). Die meisten Teilnehmenden sind zum Glück in meinem Alter, also Ü30, bereits leicht desillusioniert von der Arbeitswelt, aber immer noch mit ausreichend Energie ausgestattet, daran etwas ändern und ihr berufliches Schicksal selbst in die Hand nehmen zu wollen.
Ein paar superjunge Leute sind im Programm aber auch dabei, die schon mal Begriffe aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen, wenn wir alten und offenbar bereits leicht schwerhörigen Millennials sie akustisch nicht verstehen (“hast du mir das gerade ernsthaft übersetzt???”).
All das lässt natürlich unweigerlich die Frage aufkommen: Wann bin ich, wann sind wir Millennials eigentlich so ALT geworden?
Also, nicht nur mit Blick aufs Geburtsjahr. Sondern auch auf die Art und Weise, wie man spricht, wie man lebt, wie man sich kleidet. Es geht so schnell: Im einen Moment gehört man noch zur trendsettenden Generation, die im popkulturellen Diskurs tonangebend ist – im nächsten löst man bei Leuten, die zehn bis 15 Jahre jünger sind, schon heftigen Cringe aus.
Ich will nicht von einem Generationenkonflikt sprechen, denn ich mag es nicht, wenn man nicht mal mehr die geistige Offenheit hat, sich für die Lebenswelten älterer oder jüngerer Menschen zu interessieren.
Aber ich kann euch sagen: It hits harder, die Unterschiede zwischen den Generationen live zu erleben anstatt nur in TikTok-Videos, die man sich als Millennial selbstverständlich und altersentsprechend Wochen später nach dem ersten viralen Moment auf Instagram anschaut. (Erinnert Ihr Euch noch daran, als Millennials für ihre Liebe zu Harry Potter beschämt wurden oder auch für ihren Seitenscheitel?!)
Seien wir ehrlich: “Millennial” steht nicht mehr synonym für den Popculture-Peak. Ich weiß nicht, welcher Song gerade bei TikTok viral geht. Ich weiß auch nicht, warum alle Kids gerade diese überdimensionierten Daunenjacken von The North Face so cool finden. Ich weiß nur, dass ich mir garantiert keine Blocksträhnen mehr färben lassen werde, damit habe ich bereits 2005 abgeschlossen.
Gleichzeitig finde ich den Blick jeder Generation aufs Leben interessant und mag es nicht so gern, immer in der eigenen Bubble zu denken. Als ich mit Anfang 20 ins Berufsleben startete und die Themen, die ich in Redaktionen vorschlug, wahlweise als albern oder “zu groß” für mich abgetan wurde („man fragt sich einfach, wer ist bitte die Person, die das schreibt?!“), habe ich mir außerdem geschworen, die Meinungen und Ansichten junger Leute nicht von vornherein abzutun, wenn ich älter sein würde. Insofern ist es, glaube ich, ganz gut für mich, in den nächsten Monaten mehr mit 20-Jährigen zu tun zu haben.
Und trotzdem – es tut schon weh, wenn 18-Jährige dich ein wenig mitleidig anschauen, wenn du einen Witz machst: “Ah, verstehe. Funny”. 🙈
Lesetipps zum Thema:
Die amerikanische Kultur-Autorin Anne Helen Petersen hat die Unterschiede zwischen Millennials und der Gen Z in ihrem Newsletter “Culture Study” kürzlich auseinandergenommen. Für sie geht die Erschöpfung der Millennials weit über popkulturelle Fragen hinaus und begründet sich vor allem in wirtschaftlichen Fragen. Der Text bezieht sich sehr auf die amerikanische Gesellschaft, ist aber trotzdem sehr lesenswert.
Du weißt, dass du nicht mehr wirklich jung bist, wenn es in deiner Generation “gereatrische” Mitglieder gibt. Was “gereatric millennials” sind, erklärt dieser Text (schon von 2021, Hilfe!)
Susanne Ackstaller geht in ihrem neuen Buch* “Auf das Leben!” der Frage nach, wie das Älterwerden und das Glück zusammenhängen. Schönes Geschenkbuch für alle, die 29+x Jahre alt werden.
“Das Gespräch unseres Lebens”: Schriftstellerin Laura Karasek und ihre Mutter Armgard Karasek reden über das Leben, das Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern und zwischen Jung und Alt. Ein Buch*, in das man immer mal wieder reinblättern kann. Mir hat es meine Mutter geschenkt. Danke, Mama! 🙂
40 Lebenslektionen zum 40. Geburtstag: Brit-Chic-Ikone Alexa Chung hatte Geburtstag und teilt hier, was sie vom Leben gelernt hat.
Smalltalk-Repertoire
📰 Beruf? Taylor-Swift-Reporter! Der 35-jährige Journalist Bryan West wurde jüngst zum ersten hauptberuflichen Swiftie ernannt: Er wird künftig für die Zeitungen “The Tennessean” und “USA Today” ausschließlich über alle Neuigkeiten rund um die Sängerin berichten. Genügend Stoff bietet Taylor ja – von ihrem Dating-Leben bis zu ihrem neuen Milliardärinnen-Status.
🏆 Der “Sexiest Man Alive” ist 57 Jahre alt: Schauspieler Patrick Dempsey erhielt die Auszeichnung vom “People”-Magazin. Damit ist Dempsey der älteste “sexiest man alive” seit Sean Connery 1989. Oh, to be a (boomer) man in this world…
🎤 Zwischen Kunst und Marketing: Rapperin Shirin David absolviert gerade ihre erste Deutschland-Tournee – nach eigenen Angaben ein Minusgeschäft, aber eine Investition in ihre “Brand”. Mehr dazu hier.
Binge-Alarm: Was Ihr diese Woche lesen, sehen, hören könnt
📺 Nach Paris radeln mit den “Bergfreundinnen”: Zu dritt machen sich die Outdoor-Journalistinnen auf den Weg von München nach Frankreich – auf dem Gravelbike von München über Schwarzwald und Vogesen nach Frankreich. Hört sich sehr anstrengend an, ist aber toll gefilmt. In der BR-Mediathek.
📚 Dunkle Familiengeheimnisse und ein bisschen Historie des 20. Jahrhunderts: Die in London lebende Gwen findet heraus, wer ihr Großmutter wirklich war. Elisabeth Sandmanns Roman “Porträt auf grüner Wandfarbe” ist der perfekte Schmöker-Stoff für alle Fans von “groß angelegten Familienpanoramen.”
🎧 Ernstes Thema, lustiger Podcast: Komikerin Ariana Baborie und ihr Freund Bene Herzberg wollen Eltern werden – aber es klappt einfach nicht. Wie geht man damit um? Ein erfrischend lockerer Podcast über alles, was man über die “Kinderwunschreise” wissen will.
mit freundlicher Unterstützung von Tortue Hamburg
Den vielleicht schönsten Co-Working-Space Hamburgs findet Ihr im Hotel Tortue: Im Atelier könnt Ihr entspannt arbeiten, Kaffee trinken, Leute gucken und sogar Podcasts in einer professionellen Tonkabine aufnehmen. Der größte Teil dieser Newsletter-Ausgabe ist dort entstanden! Nach der Arbeit könnt Ihr auf einen Drink in die Bar Noir wechseln oder Euch in einem der drei Hotelrestaurants stärken. Das Tortue kann ich unbedingt empfehlen, wenn man sich ein glamouröses Hamburg-Wochenende gönnen will – die Elbphilharmonie ist nur 20 Minuten zu Fuß entfernt. Gute Reise!
Tortue Hamburg, Stadthausbrücke 10, 20355 Hamburg. Wer den Co-Working-Space nutzen möchte, ruft am besten bei der Rezeption an. Weitere Infos hier.

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