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Was liegen bleibt

Warum es ein Problem ist, wenn Frauen die Energie fürs Ehrenamt fehlt

Liebe Leser:innen!

Ich melde mich heute mit einem schlechten Gewissen. Mein Leben ist zwischen Baby, Job, Einleben im Eigenheim und Freundschaftspflege gerade so voll, dass irgendwas immer liegen bleibt. Zum Beispiel dieser Newsletter. Die Steuererklärung. Oder mein Ehrenamt.

Seit vergangenem Jahr bin ich beim Serviceclub Ladies Circle LC5 Berlin engagiert. Hochmotiviert bin ich in die Arbeit mit den Ladies gestartet, habe mein erstes Charity-Event organisiert (Pilates for Buusenkollektiv – an dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an Miriam Zech von den Hale.Now Studios!).

Und dann kam das Baby. Alle, die schon länger Kinder haben, werden jetzt wohl mit dem Kopf schütteln und sagen: Na, hast du denn gedacht, dass du mit kleinem Kind alles einfach so bewältigen kannst wie bisher?

Ganz ehrlich: irgendwie schon. Weil ich bislang immer alles irgendwie hinbekommen habe, auch in harten Zeiten. Dann wurde es halt ein bisschen anstrengend, da muss man durch, das geht auch wieder vorbei.

Jetzt also die bahnbrechende Erkenntnis: mit Baby, vor allem mit Stillbaby, ist eben nicht alles möglich, wenn man sich nur mehr anstrengt. Im Moment schaffe ich es also nicht zu den monatlichen Circle-Abenden, und auch, wenn ich zuversichtlich bin, dass sich das schon wieder ändern wird, ärgert es mich, dass mein soziales Engagement aktuell ziemlich brachliegt.

Dass ich damit nicht alleine bin, und dass es ein Problem darstellt, wenn Frauen die Zeit und die Energie für ein Ehrenamt fehlt, das hat das Netzwerk Frauen100 gemeinsam mit dem ADAC in einer groß angelegten Studie untersucht.

15.000 Menschen wurden zur Situation von Frauen im Ehrenamt befragt. Heraus kam: Es mangelt nicht an Motivation, aber an Vereinbarkeit. 72 Prozent aller befragten Frauen können sich ein Ehrenamt vorstellen, 36 Prozent geben aber Zeitmangel als Grund an, sich bislang noch nicht zu engagieren.

Offenbar fehlen auch die Vorbilder: Auch im Ehrenamt sind Frauen in Führungsrollen komplett unterrepräsentiert, so sehen das 70 Prozent der Befragten; 39 Prozent geben sogar an, noch nie eine Frau in einer leitenden Ehrenamtsposition gesehen oder erlebt zu haben.

Was sich abzeichnet, ist der übliche Teufelskreis: keine Frauen in Führungsposition, also denkt keiner die Strukturen mit, die nötig wären, um Frauen ins Ehrenamt und auch in verantwortliche Rollen zu bringen. Ergebnis: weniger Frauen im Ehrenamt und erst recht keine mit Entscheidungspower.

Mir hat die Studie viel zu denken gegeben. Weil sie zeigt, wie gewisse patriarchal geprägte Automatismen sich einfach durch sämtliche Lebensbereiche ziehen. Nein, Männer sind nicht “schuld” daran, dass Frauen offenbar auch im Ehrenamt oft zurückstecken müssen. Und ich würde auch niemals behaupten, dass ehrenamtliches Engagement mit Kindern nicht möglich sei – dafür kenne ich zu viele tolle Frauen, die sich vom Kirchengemeinderat über eben Ladies’ Circle bis zu UNICEF engagieren (großes Shoutout an meine frühere Kollegin Niddal Salah-Eldin, die gerade in den Vorstand von Unicef Deutschland gewählt wurde!).

Aber über das Bild der Frauen im Ehrenamt kann man trotzdem mal nachdenken. Wie kommen wir weg von “die Damen stiften das Buffet” zu “diese Frauen gestalten unsere Organisation” – und damit gesellschaftlichen Wandel? Und der bezieht sich nicht nur auf karitative Zwecke. Ein Ehrenamt, auch das ergibt die Frauen100-Studie, bringt gesellschaftliche Teilhabe und Netzwerkzugang für Frauen mit sich. Wie so oft hängen also alle Lebensbereiche miteinander zusammen, und wie so oft ist es eine Katastrophe, wenn Frauen verzichten (müssen), weil sie sonst überhaupt nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht.

Puh. Bevor ich hier nun zu lange herum lamentiere, noch ein Beispiel aus unserem LC, wie man die Dinge anders machen kann. Erstens gilt bei uns die Devise: Jede gibt so viel sie kann – und wenn gerade nichts geht, ist es auch ok. Zweitens gibt es ein großes Interesse daran, Teilhabe zu ermöglichen, auch wenn man nicht bei jeder Besprechung oder jedem Event live dabei sein kann; zum Beispiel halten wir immer mal wieder hybride Meetings ab, damit alle Ladies bei wichtigen Beschlüssen mit abstimmen können.

So läuft das in einem Serviceclub mit lauter Frauen. Ich lasse das als Denkanstoß einfach mal so stehen 🙂

Mich interessiert: Seid Ihr selbst ehrenamtlich engagiert? Falls ja, wie bewertet Ihr die Thematik – nehmt Ihr auch zu wenige Frauen in entscheidenden Positionen wahr? Oder würdet Ihr Euch gern engagieren, wisst aber nicht, wie Ihr das in einen übervollen Alltag auch noch unterkriegen sollt?

Schreibt mir immer gern, einfach antworten auf diesen Newsletter, alle Mails landen direkt in meinem Postfach (wobei es im Moment etwas dauern kann, bis ich antworte – aber ich antworte IMMER!!)

Habt noch einen tollen Sonntag!
Eure Julia

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Hot Topics

Was mich diesen Monat sonst noch beschäftigt

🐔 Gibt’s eine Zukunft für “Die Wilden Hühner”? Millennial-Frauen sind empört: Cornelia Funke hat eine Serienfortsetzung der Mädchenbuchreihe geschrieben, die von den Leben der Hühner in ihren 30ern erzählt – aber bislang interessiert sich keine TV-Produktion in Deutschland dafür, wie es Sprotte, Frieda, Trude, Melanie und Wilma ergangen ist?! Skandal! Auf Instagram haben Hühner-Fans nun den “Fuchsalarm” ausgerufen und ihre Unterstützung einer solchen Serie bekundet. Funke ist direkt an die Arbeit gegangen und setzt sich persönlich für die Umsetzung ein. Dafür muss man die sozialen Netzwerke ausnahmsweise mal lieben!
Ich bin natürlich auch pro Hühner-Serie; ich habe die Bücher als Kind geliebt, vor allem, weil die Mädchen-Bande allen kleineren Streitereien trotzte, sich von Eltern nie in die Freundschaft reinreden ließ und letztlich immer zusammenhielt.

👰🏼‍♀️ Taylor Swift hat geheiratet… und ein bisschen erinnerte mich der Medienhype um die “royal wedding” der USA an die Stimmung in einer Frauenclique, wenn die eine Freundin, von der man dachte, sie bleibt Single und konzentriert sich auf die Karriere, plötzlich doch noch heiratet: die Freude ist groß – aber irgendwie wird ausgerechnet ihr der romantische Anfall auch ein klitzekleines bisschen missgönnt (iykyk).
Naja, journalistisch habe ich mich mit der Thematik natürlich auch befasst: Hochzeitsplanerin Nadine Metgenberg hat mir im Interview fürs “manager magazin” erklärt, warum so eine Hochzeit eher 50 statt acht Millionen Euro kostet, was die Party für den Launch der Marke Kelce-Swift bedeeutet – und wie man Promi-Freundinnen dazu bringt, Geheimhaltungsklauseln zu unterschreiben.
Und wer von Taylor nicht genug bekommen kann: In der ARD läuft eine neue Doku, die einen sehr kritischen Blick auf Swifts Werk und vor allem ihre uneindeutige politische Positionierung wirf. Meine Rezension für den “Stern” lest Ihr hier.

👭 Und noch ein Hinweis in eigener Sache, der ganz gut zur “Wilden Hühner”-Thematik passt: Meine Kollegin Kira Brück und ich haben diese Woche unser Journalistinnen-Netzwerk Fine Writers Society zum Brunch im Frühstück3000 in Kreuzberg zusammengebracht. Ich freue mich immer so über diese Treffen, weil sie dem ewigen, knallharten Konkurrenzkampf der Medienbranche Austausch und Solidarität entgegenhalten. Mich stört in unserer Branche oft, dass Erfolge von Kolleginnen kleingeredet werden (“ja, sie moderiert die Sendung, aber nur, weil sie xy kennt”, “ja, sie hat schon wieder ein Buch geschrieben, aber nur, weil sie genügend Follower hat”); man kann Erfolge und Ideen von Kolleginnen auch einfach mal zum Ansporn für die eigene Karriere nehmen! Das versuchen wir bei der Fine Writers Society zu leben und mich macht sehr glücklich, dass das so gut klappt. Für alle, die sich für unsere Treffen und Retreats interessieren: In unserem Newsletter informieren wir über alle Updates, außerdem findet Ihr uns auf Linkedin und Instagram.

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Ich bin Julia Hackober, Kulturjournalistin aus Berlin, und in diesem Newsletter schreibe ich sehr persönlich über Themen aus Gesellschaft und Popkultur.

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