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Long time, no read 😬

Liebe Leser:innen!

Willkommen zurück bei Sunday Delight! Nach einer seeeehr langen Pause melde ich mich endlich bei Euch. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Ach, ich hab‘ nur ein Baby bekommen, bin umgezogen in ein Mehrgenerationenhaus, habe meine Selbstständigkeit auf die harte Phase der ersten Baby-Monate vorbereitet – und noch nie so viel geweint in meinem Leben, abwechselnd vor Glück und Erschöpfung.

Für diesen Newsletter blieb in den vergangenen Monaten keine Energie. Die Lust aufs Schreiben kehrte zwar nach der Geburt schnell zurück (mit Baby ergeben sich natürlich ganz viele neue Themen, hier habe ich zum Beispiel über den Stilldruck der Millennial-Mütter geschrieben). Ich habe mich aber gefragt, wo Sunday Delight in der Masse der vielen neuen Newsletter, die aktuell versendet werden, noch Platz hat.

Als ich mit diesem Newsletter startete, wurde ich noch belächelt, weil ich mit einem kostenlosen Newsletter „kreative Selbstausbeutung“ betreiben würde; inzwischen ist man ohne eigenen Newsletter gefühlt kein ernstzunehmender Journalist mehr. Doch seien wir mal ehrlich: Niemand liest zehn Popkultur-Newsletter die Woche, dazu kommen noch hunderte Zeitungs-und Werbenewsletter, die die Postfächer zuspammen.

Wollte ich da noch mitmachen? Gegen Influencer-Ergüsse und Substack-Sermone anschreiben? Ich war mir unsicher. Wäre meine knappe Zeit nicht sinnvoller in „Money-Jobs“ investiert? Sunday Delight hat mir immer viel Freude bereitet – aber der Ehrgeiz, mit dem ich dieses Projekt angegangen bin, hat auch häufig viel Kraft gekostet. Ein guter Newsletter ist eben nicht mal schnell mit ChatGPT zusammengeschustert.

Kürzlich telefonierte ich dann mit Louisa Plasberg, Co-Gründerin der Plattform Equaly. Wir sprachen über Newsletter, was wir gern lesen, was nicht (Equaly versendet übrigens auch einen sehr coolen und hilfreichen Newsletter zum Thema Vereinbarkeit!). Und natürlich fragte mich Louisa, was eigentlich aus Sunday Delight geworden ist.

Im Gespräch wurde mir klar, dass mich nicht die Plattformen, sondern die Menschen hinter den Newslettern interessieren. Ich muss nicht noch mehr Zeit im Internet verbringen und etwa auf Substack durch random Content scrollen. Mich interessieren aber die Gedanken von Kolleginnen, die ich mag, von Unternehmerinnen, die ich schätze, von Schriftstellerinnen, die über Themen nachdenken, die mich auch beschäftigen. Und ich hoffe, dass dieser Newsletter hier spannend ist für Menschen, die sich für meine Perspektive auf die Dinge interessieren.

Und plötzlich erinnerte ich mich wieder ganz deutlich an den Spaß, den mir die Arbeit an Sunday Delight lange bereitet hat. Diesen Spaß wollte ich zurück. Was dafür weichen muss, ist der Druck, jede Woche abliefern zu müssen, Content zu produzieren, nicht weil man etwas zu sagen hat, sondern um einen Zeitplan einzuhalten.

Manchmal braucht es so ein Gespräch wie das mit Louisa (danke danke!), um neuen Mut für ein “Herzensprojekt” zu finden (ich finde diesen Begriff fürchterlich cheesy, aber trotzdem treffend). Sunday Delight wird wieder regelmäßig, aber seltener erscheinen. Ich habe mir das – hoffentlich realistische – Ziel gesteckt, einmal im Monat, immer am ersten Sonntag, eine mit Liebe gemachte Ausgabe zu verschicken.

Heute geht es los mit einer großen „Mom Issue“ und der Frage: Ist ein Baby der Freundschaftskiller Nummer eins?! (Keine Sorge, es wird hier künfitg nicht ständig um Babys gehen, aber das Thema musste raus.)

Viel Spaß mit dieser Ausgabe - schön, dass Ihr hier seid!

Eure Julia

Neu hier? Hier kannst Du Sunday Delight kostenlos ⬇️

“Du redest ja nur noch übers Baby”

Erwischt. Aber muss eine Ü30-Freundschaft das nicht aushalten können?

Plötzlich traf mich ein halb genervter, halb mitleidiger Blick. „Ich muss dir sagen, dass du jetzt wirklich nur noch übers Baby redest“, attestierte mir eine Freundin, als wir gerade an meinem Esszimmertisch saßen. Ich hatte zur „Babyshower“ geladen, ein bisschen ironisch natürlich, schließlich war ich die ganze Schwangerschaft über höchst bemüht darum, die Entscheidung für ein Baby nicht zum Mittelpunkt meines Seins zu machen.

Ja, ich freute mich darauf, Mutter zu werden, aber natürlich würde ich die alte Julia bleiben, an vielen Themen interessiert, selbstverständlich würde ich nicht den Fehler begehen, ein Kind als einzige mögliche Erfüllung im Leben zu betrachten. Was man eben so denkt, wenn man in einer Großstadtbubble lebt, in der es stets als etwas uncool gilt, private Meilensteine allzu sehr abzufeiern, vor allem, wenn sie im heteronormativen, nuklearen Familiengefüge stattfinden.

Also hatte ich die Schwangerschaft in den vergangenen Monaten heruntergespielt, versucht, so zu tun, als ob es nicht eine der fundamentalsten Lebenserfahrungen sei, ein Kind in die Welt zu setzen, in Gesprächen betont den Fokus auf andere Themen gelegt, natürlich gibt es Wichtigeres als die Tatsache, dass Julia sich entschieden hat, ein Baby zu bekommen, ist doch klar!

Jetzt zog sich mir der Magen zusammen, ich nahm einen Schluck von meinem 0,0-prozentigen Sekt – und blieb stumm. Was soll man antworten, wenn einen schon vor der Geburt der Vorwurf trifft, gedanklich völlig ins Mami-Land abgedriftet zu sein? Nicht mehr in der Lage, eine Unterhaltung zu führen, die ohne Schwangerschaftsbeschwerden und Geburtsängste auskommt?

Ich fühlte mich ungerecht behandelt und missverstanden. Die Babyshower hatte ein Abend werden sollen, an dem ich mich uneingeschränkt auf meine Tochter freuen wollte, zusammen mit meinen Freundinnen, von denen einige Kinder haben oder wollen, andere nicht. 

Mir hatte es immer so gut gefallen, dass in meinem Freundeskreis unterschiedlichste Lebensentwürfe vertreten waren. Doch jetzt tat sich genau der Riss auf, vor dem ich mich beim Gedanken an Kinder schon lange gefürchtet hatte: Welche Freundschaften würden noch funktionieren, wenn ich die Nächte mit meinem Baby und nicht bei Events oder im Club verbringen würde? Wenn spontane Abende beim Lieblings-Italiener nicht mehr möglich sein würden, weil ich nicht mehr mitten in der Stadt lebe? Wenn ich Whatsapp-Nachrichten tagelang nicht beantworten würde, weil ein kleines Wesen meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit einfordert?

Bei der Babyshower wurde mir klar, dass es auch mir nicht gelingen würde, jede Freundschaft in die Baby-Ära zu retten. Nicht wegen einer doofen Bemerkung, nicht wegen unterschiedlicher Lebensanschauungen. Deshalb stellt man nicht gleich eine ganze Freundschaft in Frage. Aber ich würde wohl kaum für jede Freundin die Julia-Version aufrechterhalten können, die sie gewohnt war. Und zum ersten Mal kam mir der Gedanke, dass mir das weder Ziel noch Aufgabe sein sollte.

Es heißt ja immer, junge Eltern ließen aus Überforderung ihre sozialen Kontakte schleifen, und muss ich nach den ersten drei Babymonaten leider bestätigen. Aber ganz ehrlich: Wenn eine Freundschaft nicht ein paar Monate aushalten kann, in denen ein neuer, kleiner Mensch den Mittelpunkt aller Gedanken seiner Eltern einnimmt – was ist das dann für eine Freundschaft? Kann es neben den normalen alltäglichen Anstrengungen wirklich noch in der Verantwortung junger Eltern liegen, in Freundschaften bloß keine Veränderung spürbar zu machen, damit sich niemand in seinen eigenen Lebensentscheidungen zurückgesetzt fühlt?

Es tut mir persönlich ehrlich leid, wenn ich mal wieder einen Anruf wegdrücken muss, weil ich gerade versuche, mein Baby zum Einschlafen zu bringen. Aber ich möchte mich auch nicht dafür rechtfertigen müssen. Ich habe keine Lust, ständig Lebensentwürfe miteinander zu vergleichen und zu bewerten, wie das ja auch medial häufig geschieht – zum Beispiel in den Social-Media-Kämpfen zwischen Kinderfrei-und Momfluencer-Bubble.

Mir kommt die Kluft, die zwischen Freunden mit und ohne Kindern häufig auftut, unnötig tief vor. Ja, die gemeinsamen Unternehmungen und Gesprächsthemen verändern sich – aber die Vorstellung, dass Menschen mit und ohne Kinder so komplett aneinander vorbeileben, dass man einander nichts mehr zu sagen hat, finde ich ziemlich traurig. Und auch einen Hauch misogyn: Redensarten wie „Die spricht nur noch vom Baby“ vs. „die weiß gar nicht, wie hart das Leben als Mutter ist“ vertiefen gerade unter Frauen Gräben, wo eigentlich Support und Verständnis hingehört.

Mir kommt es immer ein wenig pathetisch vor, davon zu sprechen, dass sich in großen Lebensveränderungen die „wahren“ Freundschaften zeigen. Vielleicht zeigt sich eher, welche Freundschaften eben nur in eine sehr spezifische Lebensphase gehörten. Das ist traurig, aber auch sehr normal.

Aus meiner Sicht ruiniert eine Freundschaft nicht das Baby (wie könnte es! Babys sind toll!!!), sondern der gegenseitige Vorwurf, nicht mehr “die Gleiche” zu sein. Natürlich bespreche ich mit meinen „mom friends“ andere Themen als mit einer Freundin, die als DJ gerade durch Japan getourt ist – wo ist das Problem?

Klar, kontinuierlich das Interesse für einen Lebensentwurf aufzubringen, der vom eigenen abweicht, ist natürlich anstrengender, als wenn Leben sehr parallel verlaufen und Freundschaften vor allem von Verfügbarkeit zehren. Aber eigentlich ist doch gerade das das Schöne an Freundschaften: mitzubekommen, wie andere leben und erleben. Vielleicht vergessen wir das manchmal zu schnell.

Das Babyshower-Erlebnis führte übrigens dazu, dass ich mich fortan bei jeder Freundin entschuldigte, wenn ich das Gefühl hatte, zu viel Zeit mit Baby-Talk “verschwendet” zu haben. Bis mir eine Freundin sagte: “Julia, hör auf, dich zu entschuldigen. Du kannst so viel übers Baby reden, wie du möchtest – die kleine E. gehört jetzt zu dir und damit auch zu uns!”

Gesehen, gelesen, gedacht

Was mich diesen Monat sonst noch beschäftigt (vor allem Bücher, die ich auf dem Handy lesen kann…)

📚“Tokyo Girls Club“ von Asako Yuzuki: Schön düsterer Roman über eine toxische Frauen-Freundschaft und ein knallharter Blick auf japanische Gesellschaftsnormen: Eriko hat einen Top-Job, lebt mit 30 aber noch bei ihren Eltern und fühlt sich einsam. Dann gelingt es ihr, sich mit ihrer Lieblingsbloggerin Shoko anzufreunden - dann verschwindet diese plötzlich… Achtung, alles andere als ein Feelgood-Read, sondern ziemlich radikal und beklemmend zu lesen - und gerade deshalb eine große Empfehlung!

📚 “Famesick” von Lena Dunham: In den 2010er-Jahren war sie für die einen Millennial-Ikone, für die andern von Privilegien verblendete Nerv-Braut. „Girls“-Schöpferin Lena Dunham lässt in ihren Memoiren ihren sensationellen Erfolg mit der Serie Revue passieren, schreibt typisch drastisch über Behind-the-Scenes-Erfahrungen wie psychische und physische Erkrankungen – und denkt darüber nach, warum sie einst so polarisierte.
Das ist ganz nett zu lesen für alle, die in den 2010er Jahre durch verkorkste Liebschaften und erste Jobs stolperten – so richtig erschließt sich mir aber nicht, was Dunham mit dem Buch eigentlich sagen will. Dass auch sie es als berühmteste „(a) voice of a generation“ nicht leicht hatte, dass sie oft missverstanden wurde, dass sie häufig ungerecht bewertet wurde?
Hm. Anscheinend ist Lena Dunham doch nur “eine von uns”: eine Millennial-Frau, die wirklich jede Lebensentscheidung zigfach erklären und rechtfertigen will – siehe oben…

📚 “Yesteryear” von Caro Claire Burke: Eine Tradwife-Influencerin inszeniert ihr Farm-Leben vor Millionen von Followern – und wacht eines Tages im Jahr 1855 auf. Ganz so idyllisch und romantisch geht es dort nicht zu… Für diesen Roman habe ich nachts meinen kostbaren Schlaf geopfert; “Yesteryear” wird dem Social-Media-Hype ausnahmsweise völlig gerecht. Warum? Die Geschichte verbindet leicht verdauliche Gesellschaftskritik mit süffigem Grusel (kein Wunder, dass sich Anne Hathaway bereits die Filmrechte gesichert hat!). Spannend fand ich, dass nicht über, sondern aus der Perspektive einer Tradwife erzählt wird – deren Gedankenwelt natürlich ganz anders gestaltet ist, als man das erwarten würde… Aus meiner Sicht der perfekte Sommer-Read!

Cool Mom Starter Pack

Ein Geständnis: Die vielen Stunden, die ich aktuell mit Stillen und “contact naps” verbringe, nutze ich nicht immer nur, um zu lesen, Mails zu beantworten oder Themen zu pitchen… sondern auch, um fröhlich Online-Shopping zu betreiben. Am liebsten fürs Baby, klar, aber auch für mich selbst – wenn es eine Phase im Leben gibt, in der “Gönn dir” wirklich mal die Devise sein sollte, dann wohl die erste Babyzeit! Wenn nur die Elternzeit-Finanzen nicht wären… Naja. Folgende Anschaffungen haben sich aber wirklich gelohnt:

1) Stillshirt von Tajine Banane (damit man sich bei Cluster-Attacken wenigstens ein bisschen besser fühlt)
2) Baby-Wippe von Babybjörn (fürs Babykino vor die Balkontür stellen und in Ruhe Insta checken oder Sunday Delight lesen 😉 )
3) Stanley Cup!! (fand ich immer peinlich, ist in der Stillzeit aber schon verdammt praktisch)
4) Schlafmaske mit Gewicht von Bearaby (man schläft damit nachts so viel schneller wieder ein!)
5) Fitnesswatch Garmin Venu 4 (fürs Tracken der Spaziergänge)
6) Rave Pants von Iumi (sitzen super in der Schwangerschaft und danach)
7) Cap von Not Your Mommy (Message ans Umfeld!)
8) und natürlich die Fine Writers Society Bag als Windeltasche 🙂 (erhältlich nur per Mail an [email protected])

Herzlich willkommen bei Sunday Delight!
Ich bin Julia Hackober, Kulturjournalistin aus Berlin, und in diesem Newsletter schreibe ich sehr persönlich über Themen aus Gesellschaft und Popkultur.

💌 Ich hoffe, Dir hat diese Ausgabe Spaß gemacht! Falls ja: Dann leite diese Mail doch unkompliziert an alle Freunde weiter, die sich auch dafür interessieren könnten – sharing is caring 🙂

🌠 Wünsche, Feedback, Anfragen? Schreib mir gern eine Mail an [email protected]!

Bis nächsten Monat! Deine

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