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“Ab sofort werde ich gesund leben, aber wirklich!!”

Eine Kolumne zur Fastenzeit

Herzlich willkommen bei Sunday Delight!
Ich bin Julia Hackober, Kultur-und Stilkritikerin aus Berlin, und in diesem Newsletter kommentiere ich jeden Sonntag aktuelle Hypes und Aufreger aus Popkultur, Gesellschaft und Lifestyle. Heute geht es hier um folgende Themen:

  • Personal Issue: Smoothies, Gemüsebrühe und die ewige Hoffnung auf ein neues Ich 😇 - eine Kolumne zur Fastenzeit

  • enjoy & judge: Der Trailer des Jahres!!11!! + Schummeln beim #vacationgram + noch einmal Schmachten mit “Valéria”

Viel Spaß beim Lesen!  

“Ab sofort werde ich ganz, ganz gesund leben, diesmal aber wirklich!!”

Eine Selbsterfahrungs-Kolumne zur Fastenzeit

Was macht man als Millennial bei akuter Lebensunzufriedenheit? Na klar, man meldet sich für irgendein Retreat an, das das ganze Leben innerhalb weniger Tage in Ordnung bringen soll!

So ungefähr sah zumindest meine Erwartungshaltung aus, als ich im November nach einigen überarbeiteten Monaten und zu vielen Instagram-Reels über die magische Euphorie nach einem gesundheitlichen Reset zu einer Fastenkur in den Bayerischen Wald aufbrach. Und auch wenn ich nicht an “Giftstoffe” glaube, die beim Fasten aus dem Körper “geschleust” werden müssen, dazu hat man schließlich die entsprechenden Organe, so stellte ich es mir doch sehr schön vor, am Ende der Fastenwoche mit klarer Haut und rundum erleuchtet wieder in den Zug zurück nach Berlin zu steigen.

Und so zog ich durch. Ich trank die Glaubersalz-Mischung und ich hielt mich an den Fastenplan (morgens Tee, mittags Smoothie, abends klare Gemüsebrühe, alles achtsam gelöffelt, natürlich). Ich legte mich mittags mit Leberwickel ins Bett, brachte meinen Kreislauf mit endlosen Waldspaziergängen in Schwung, ich diskutierte mit meinen Mitfastenden über gesundes Leben (der These, dass Käse TEUFELSZEUG sei, musste ich auch mit durch den Nahrungsentzug verminderter Hirnleistung wortreich widersprechen). Ich dachte viel weniger an Snacks als in einer durchschnittlich stressigen Homeoffice-Woche und widerstand allen Versuchungen, sogar bei einem Tagesausflug nach Passau mit all seinen Konditoreien.

"Mittagessen”.

Die unwiderstehliche Anziehungskraft einer life changing experience hatte mich eben voll im Griff. Ich wollte endlich auch mal eine dieser Personen sein, die auf Netzwerk-Events von extrem heilsamen Erfahrungen und einem “ganz neuen Energielevel” berichtet (und nicht immer mitleidige Blicke kassieren, weil ich meine Work-Life-Balance offensichtlich gaaar nicht im Griff habe). Und wenn ich dafür eine Woche lang auf feste Nahrung verzichten musste, um mich hinterher superdoll mit mir selbst im Reinen zu fühlen, dann war das halt so!

Dass die Vorstellung ein wenig absurd ist, eine Woche Detox-Programm alles richten lassen zu wollen, was das Jahr über schiefgelaufen ist, den Gedanken ließ ich erst auf Heimweg nach dem ersten Bissen in eine bayerische Brezen zu (die ich mit Genuss verspeiste, auch wenn die Fastenleiterin uns eindringlich davor gewarnt hatte, direkt wieder mit Weißmehl anzufangen). Ich fühlte mich nach der Fastenkur vielleicht ein wenig leichter und irgendwie reiner, ansonsten wie der gleiche chaotische Mensch, mit dem ich seit 34 Jahren klarkommen muss.

Und dennoch blickte ich zufrieden aus dem ICE-Fenster und war in diesem Moment genauso motiviert wie all die Menschen aus dem Internet, die ihre Fastenberichte stets mit überschwänglichen Floskeln beenden: Ab sofort werde ich ganz, ganz gesund leben, diesmal aber wirklich!! 

Selbstverständlich habe ich mir direkt im Anschluss an die Kur einen Standmixer angeschafft, um mir diesen Winter täglich einen grünen Smoothie mit viel Ingwer einzuverleiben. Ich habe noch eine ganze Weile auf den Nachmittagskaffee verzichtet und meine Suppen weniger salzig gegessen.

Vor allem aber erzählte ich jedem, wirklich jedem, von meiner Fastenkur, und ließ mich für die Selbstdisziplin bewundern, nicht schwach geworden zu sein (“Ach du, Hunger hatte ich gar keinen!”). Ich sonnte mich in dieser ganz speziellen Aufmerksamkeit, die einem nur zuteil wird, wenn man sich nach allen Regeln der Selfcare-Kunst um sich kümmert. Und das war mindestens so schön wie der Moment, als mir zum Fastenbrechen ein gekochter Apfel mit Zimt serviert wurde.

Biolandgut Tiefleiten.

Vielen Dank ans Biolandgut Tiefleiten und das ganze Team um die Familie Kohlmünzer für die Einladung! Meine Podcastfolge mit Johanna Kohlmünzer könnt Ihr hier anhören, darin erfahrt Ihr noch konkreter, was bei einer Fastenkur wie und warum abläuft.

enjoy & judge:
Meine Tops und Flops der Woche

Trailer des Jahres: Lindsay Lohan hat nun so viele schlechte Netflix-Komödien gedreht, dass sie ihr Comeback endlich mit einem echten Kino-Kracher besiegeln darf. In der Fortsetzung von “Freaky Friday” (2005) tauscht sie noch einmal mit Film-Mom Jamie Lee Curtis den Körper.

Living for the gram: Habt Ihr einen Urlaub schon mal ein wenig toller dargestellt, als er eigentlich war? Oder auf Social Media nur die Fotos gepostet, auf denen die Menschenmassen am Strand nicht zu erkennen waren? Naaaa, ertappt? Fast ein Drittel aller 25-bis 44-Jährigen “verschönert” die eigenen Urlaubserlebnisse gern mal vor Freunden oder postet in den sozialen Netzwerken nur die allerallerschönsten Ferienszenen. Bei den älteren Generationen sind es immerhin noch rund 25 Prozent, die im Nachgang die Urlaubserlebnisse ein bisschen pimpen. Das ergab zumindest eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die SUNDAY DELIGHT vorliegt. Was lernen wir daraus? Die (leicht ausgeschmückte) Nachberichterstattung gehört zum Urlaubsspaß einfach dazu, s. meine Kolumne oben!!

Angekommen in der Erwachsenenrealität: Meine spanische Lieblingsserie “Valéria” erzählt in der vierten Staffel die Geschichte von vier Freundinnen Anfang 30 zu Ende, die in Madrid mit Leben und Liebe kämpfen. Und wie im echten Leben geht’s plötzlich nicht mehr um sehnsüchtige Liebeleien, sondern um Kinderwünsche und schwerwiegende Karriereentscheidungen. Fast schon ein bisschen zu viel Realismus für meinen Geschmack, ich gucke die Serie nach den hypererfolgreichen Romanen von Elisabet Benavent nämlich hauptsächlich wegen der Romanzen, der Outfits und des guten Soundtracks 🙂 Aber: Zum Ende hin kann man noch mal richtig schön schmachten, versprochen! Trailer hier.

Ich hoffe, Dir hat diese Ausgabe von Sunday Delight Spaß gemacht. Wenn Dir der Newsletter gefällt, kannst Du meine Arbeit unterstützen, indem Du den Newsletter weiterempfiehlst – oder Mitglied der VIP Community wirst:

Danke für Dein Vertrauen! Deine Julia

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