Warum tragen alle diese Hose?

und das erste Retreat der FINE WRITERS SOCIETY

Herzlich willkommen bei Sunday Delight!
Ich bin Julia Hackober, Kritikerin aus Berlin, und in diesem Newsletter kommentiere ich jeden Sonntag aktuelle Hypes und Aufreger aus Popkultur, Gesellschaft und Lifestyle. Heute geht es hier um folgende Themen:

  • enjoy & judge: “White Lotus” auf der Suche nach einer Handlung; Grimes’ verzweifelter Befreiungskampf; Gil Ofarims seltsame Nicht-Entschuldigung; und die Hose des Frühjahrs

  • In eigener Sache: Das war das erste Retreat der FINE WRITERS SOCIETY im St. Oberholz Woldzegarten

Viel Spaß beim Lesen!  

enjoy & judge:
Meine Tops und Flops der Woche

Foto: Insta @saralememe

Unpopular Opinion: Geht das nur mir so oder kommt die dritte Staffel “White Lotus” wirklich schwer in Fahrt? Ja, die Gesellschaftssatire liefert geniale Momente, was vor allem dem tollen Cast zu verdanken ist (Tipp: diese Parker Posey-”you want do move to Taiwan??”-Compilation!)
Doch nach dem Baller-Auftakt dümpelt die Handlung im Luxusresort auf Koh Samui sehr vor sich hin. Die ersten fünf Folgen mögen genügend Stoff für allerhand Memes geliefert haben, s. oben, aber so richtig ist noch nichts Nennenswertes…passiert? Bei mir macht sich langsam die Sorge breit, dass die losen Fäden zum Finale hin ein bisschen zu sehr auf die Schnelle zusammengeknotet werden könnten. Vor allem will ich endlich wissen, wann und warum diese passive-aggressive Dreierclique implodiert!11!

Hört sich so die ehrliche Aufarbeitung eines riesigen Fehlers an? I doubt it. Sänger Gil Ofarim promotet aktuell seine neue Musik und sucht deshalb den Weg zurück in die Öffentlichkeit. 2023 hatte er einen Prozess wegen Falschaussagen gegen einen Leipziger Hotel-Mitarbeiter verloren, der ihn angeblich antisemitisch beleidigt hatte. Im Interview mit “RTL” bereut Ofarim nun, damals die erfundenen Vorwürfe auf Instagram publiziert zu haben (“größter Fehler meines Lebens”). Danach wird’s allerdings so wischiwaschi, dass der Eindruck entsteht, er habe das Geständnis nur aus taktischen Gründen abgelegt, ja, er stilisiert sich sogar selbst zum Opfer. Warum dieser, ähm, spezielle Umgang mit Wahrheit problematisch ist, kommentiert Anne Hähnig für die “Zeit”.

WTF happened to Grimes? Sie galt mal als begabteste Indie-Musikerin ihrer Generation (bei welchem Millennial-Hipster lief 2012 “Oblivion” NICHT in Dauerschleife auf dem Ipod Nano??). Dann lernte sie Elon Musk kennen, bekam mit ihm drei Kinder, driftete in seine abgeschottete Milliardärs-Welt ab und verschwand hinter seinem Größenwahnsinn. Inzwischen versucht sie sich verzweifelt zu befreien, macht wieder Musik und kämpft gegen den reichsten Mann der Welt ums Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder (und dafür, dass sie nicht mit “Ersatz-Opa” Donald Trump abgelichtet werden). Bitter!
Das Schlimmste an der ganzen Geschichte? “Dass das von Cyborg-Feministinnen wie Grimes nun fast schon überwunden geglaubte Patriarchat nun gerade mit Typen wie ihrem Ex Elon Musk eine neue Entwicklungsstufe erklommen hat, deren Alternativ-und Ausweglosigkeit ebenso brutal wie historisch einmalig erscheint”, kommentiert Popkritik-Legende Jens Balzer bei “radioeins”.
Ergänzender Must-read: In der amerikanischen “TeenVogue” spricht Musk-Tochter Vivian Jenna Wilson über ihren Vater, mit dem sie sich schon lange überworfen hat, und über ihr Leben als junge Transfrau im aktuellen Amerika.

Warum tragen alle diese Hose? In Berlin ist aktuell das Leo-Fieber ausgebrochen und alle Fashiongirls zwischen 28 und 82 tragen Jeans mit Fleckenmuster. Besonders hip im “urbanen Dschungel”, wie es in Modezeitschrift-Wortspielen gern heißt: diese baggy Hose des dänischen Labels Ganni. Für mich ein Look, der Kate Moss zu ihren besten Festival-Zeiten channeln will, in der nicht ganz so wilden Realität aber eher an Yoga-Moms auf Matcha-Überdosis erinnert. Naja – ist ja nicht der schlechteste Gemütszustand!

Foto: ganni.com 

In eigener Sache

Das war das erste Retreat der FINE WRITERS SOCIETY
im St. Oberholz Woldzegarten

I love my job. I hate my job. I love my job!

Als freie Journalistin zu arbeiten, ist eine Erfüllung. Man trifft ständig spannende Menschen, man beschäftigt sich beruflich mit interessanten Themen, findet kreative Erfüllung, führt ein an Erlebnissen und Eindrücken unheimlich reiches Leben.

Als freie Journalistin zu arbeiten, kann sich aber schmerzhaft anfühlen. Wenn man mühsam um jede 50 Euro mehr für einen Artikel verhandeln muss, wenn man von Redaktionen geghosted wird, wenn man sich “leer geschrieben” oder einsam im Homeoffice fühlt, wenn der Bekanntenkreis den eigenen Beruf für ein Hobby hält, das im Prinzip jeder machen könnte (nein, einfach nein!).

Diese Sorgen und Herausforderungen immer mit sich selbst auszumachen, kostet (unnötig) viel Kraft. Und genau das wollen meine Kollegin Kira Brück und ich mit der FINE WRITERS SOCIETY ändern: In unserem Netzwerk schließen sich freie Journalistinnen zusammen, tauschen sich aus, gewinnen neue Perspektiven.
Und, das ist vielleicht am wichtigsten: Wir feiern uns, unsere schönen, aufregenden, abwechslungsreichen Berufsleben, unsere großen und kleinen Erfolge!

Diese Woche kommen wir von unserem ersten Retreat im St. Oberholz Woldzegarten zurück. Dort haben wir mit insgesamt zehn Journalistinnen drei Tage lang wirklich alles besprochen, was uns beruflich auf der Seele liegt. Und das in einer wunderschönen Umgebung, in der viele Probleme plötzlich nur noch halb so schlimm wirkten 🙂 (Einige Eindrücke haben wir hier geteilt).

Die wundervolle Caro von Cube stand uns als Coach zur Seite, um die Gedanken zu ordnen und auf das Wesentliche zu besinnen: auf die Freude am Job, auf die vielen Möglichkeiten, die noch ungenutzt sind, und auf das Gemeinschaftsgefühl. Auch als Freiberuflerin steht man eben NICHT allein auf weiter Flur, sondern kann sich Support suchen.

Es war das erste Retreat in diesem Format und wir sind überglücklich, wie gut wir als Gruppe harmoniert haben und wie viel wir voneinander lernen konnten. Danke an alle, die diese Idee unterstützt und mit uns umgesetzt haben: das ganze Team vom St. Oberholz Retreat, Die Schneiderei Berlin und natürlich an die Kolleginnen, die aus ganz Deutschland angereist sind! ❤️

PS: Ihr seid selbst freie Journalistin und habt Interesse an künftigen Veranstaltungen der FINE WRITERS SOCIETY? Dann meldet Euch gern per Mail [email protected]!

Die Gründerinnen der FINE WRITERS SOCIETY:
Julia Hackober und Kira Brück.
Foto: Eva Biringer

Ich hoffe, Dir hat diese Ausgabe von Sunday Delight Spaß gemacht. Wenn Dir der Newsletter gefällt, kannst Du meine Arbeit unterstützen, indem Du den Newsletter weiterempfiehlst – oder Mitglied der VIP Community wirst:

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