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Liebe Leser:innen!
Herzlich willkommen bei Sunday Delight! Ich bin Julia Hackober, Kulturjournalistin aus Berlin, und in diesem Newsletter schreibe ich sehr persönlich über Themen aus Gesellschaft und Popkultur.

Heute geht es hier um:
💍“Oura Ring Girls” oder die Frage, wie viel Macht man Fitness-Gadgets geben darf
📚 den Scheidungsroman des Jahres
💌 und den Launch meiner Newsletter-Sprechstunde 🙂

Viel Spaß beim Lesen und einen schönen Sonntag,
Eure Julia

Neu hier? Hier kannst Du Sunday Delight kostenlos ⬇️

Oura Ring Girls

Und die Frage: Lässt uns ein Gadget wirklich besser “fühlen”?

Wenn ich einen schlechten Tag habe, mich ganz schlaff und geschafft fühle und nicht weiß, wie ich die Work-Life-Baby-Balance halten soll, schaue ich neuerdings in die Statistiken meines Oura Rings. Da steht nämlich, dass mein kardiovaskuläres Alter 12,5 Jahre unter meinem eigentlichen Alter liege, und das fühlt sich für jemanden, dessen Sportprogramm aktuell hauptsächlich darin besteht, stundenlang mit dem Kinderwagen durch die Gegend zu schieben, ziemlich fantastisch an.

Überhaupt macht der Oura Ring viel Mut in Zeiten, in denen man sich körperlich nicht so fühlt. Nach einer miesen Nacht muntert die zugehörige App auf: „Das wird wieder!“ Bei Aufregung wird beruhigt: „Du hast eine starke Resilienz!“ Und nach einem anstrengenden Tag mahnt der Ring: „Es kann sein, dass du dich nicht vollständig erholt fühlst.“

Der Ring schimpft nie wie eine Sportlehrerin, die keine Ausreden gelten lässt („Sportklamotten vergessen“ – „Dann machst du eben ohne mit!!“), sondern agiert eher wie eine verständnisvolle Yoga-Trainerin, die nach dem Shavasana noch mal gütig lächelnd daran erinnert, die eigenen Bedürfnisse im Alltag auch ja zu beachten („gönn dir etwas Ruhe“).  

Nach einem Dreivierteljahr mit silbernem Oura-Ring am Zeigefinger verstehe ich jedenfalls, was den Reiz dieses Gadgets ausmacht. Und warum eine ganz spezielle Sorte von Frauen diesen Ring besonders gern trägt.

Ich nenne sie die Oura Ring Girls: Ihr Ziel ist nicht Fitness, sondern „Longevity“. Sie trainieren für den Halbmarathon, aber nicht aus Ehrgeiz, sondern um sich „besser zu fühlen“. Mindset und Matcha gehören untrennbar zusammen. Man betreibt Journaling, um die Gefühle des Tages zu sortieren, guckt dann aber eben doch noch mal schnell in die App, um zu kontrollieren, ob das, was man fühlt, auch mit den Aufzeichnungen des Fitness-Rings korreliert.

Huch, bevor ich mich jetzt ähnlich in Klischees verhebe wie die arme Rabea Weihser in ihrem „Carbonara-Körper“-Text, komme ich mal zum Punkt: Das erwählte Fitness-Gadget muss wohl immer zu der Erzählung passen, die man sich über das eigene Verhältnis zum Thema Fitness und Gesundheit zurechtgelegt hat. Und der Oura Ring passt eben sehr gut zum aktuellen, aus meiner Sicht eben vor allem unter Frauen verbreiteten Trend, die Konzepte Leistung und Wohlbefinden beim Thema Fitness und Gesundheit zu entkoppeln.

Oder das zumindest zu versuchen. Da heißt es dann halt nicht „push dich“, sondern „fühl dich“, weil sich das nach einem ehrenwerteren Ziel anhört als „ich möchte schlank und fit sein“. Der Weg zum Ziel bleibt der gleiche, gespickt mit einer Vielzahl von eng abgesteckten Routinen, streitbaren Ernährungsweisheiten und Gadgets, die tracken sollen, dass man sich auf dem rechten Weg befindet. Im Karriere-Podcast „Baby got Business“ hieß es sogar mal, der Oura Ring sei eine bessere Investition als ein Cartier-Ring, weil man damit eben in sich selbst investiere, Warnzeichen bei zu viel Stress rechtzeitig entdecke und so weiter.

Uff. Da wird einem Fitness-Gadget, so nett und wohlwollend es die Nutzerin auch ansprechen mag, ein bisschen viel Wirkmacht zugeschrieben (und so richtig funktioniert das rein medizinisch auch nicht, wie ich bei der Geburt feststellen konnte – als es mit den Wehen langsam ganz schön schmerzhaft wurde, meldete der Ring immer noch nur „leichte Stresssymptome“).

Jedenfalls antworte ich immer, wenn ich gefragt werde, ob „das Ding denn was bringt“, wahrheitsgemäß: Kann ich nicht sagen. Weil natürlich kein Gadget der Welt dafür sorgen kann, dass man so fröhlich durchs Leben hopst wie eine dieser glowy Longevity-Influencerinnen, die sich soooo viel besser fühlen, seit sie keinen Kaffee mehr, dafür Kollagen-Kakako trinken.

Wie gesagt: Ich schaue selbst jeden Morgen in der App auf die Schlafauswertung, obwohl ich ja weiß, dass mein Baby vom Durchschlafen noch nicht so viel hält. Ich tracke meine Schrittezahl und den Kalorienverbrauch, kontrolliere den Resilienzfaktor und die Stresskurve. Ich gehöre selbst zu den Oura-Girls, deshalb darf ich mich auch ein wenig darüber mokieren, dass man eine App dazu befragt, wie es einem geht.

Ich finde nur: Wenn es schon darum geht, sich besser zu fühlen, dann muss man schon ehrlich zu sich selbst zu sein. Und ein Tracker-Gadget nährt einfach immer das leicht obsessive Gefühl, zumindest einen Part des Lebens kontrollieren zu können – das liegt ja in der Natur der Sache.

Wer mit Oura Ring durchs Leben geht, will sich nicht nur um sich kümmern. Man will auch einen Beweis dafür, dass man sich um sich gekümmert hat.  

Disclaimer: Der Ring wurde mir zu Testzwecken freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Die Vollversion der zugehörigen App habe ich selbst bezahlt.

Hot Topics 🔥

Was mich diesen Monat sonst noch beschäftigt

🍝Was war da jetzt los mit “Carbonara-Körpern”? Dieser “Zeit”-Text sollte eine Ode an kraftsportelnde Frauen werden, endete aber in einem Sommerloch-Aufreger. Frauenkörper mit einem Nudelgericht vergleichen? Nicht cool!

📚 “Rich White Lady Problems” oder Hit-Buch des Sommers? Belle Burdens Scheidungsmemoiren “Fremde” erscheint im August auf Deutsch. In den USA wird das Buch schon seit Monaten diskutiert: Liest man die Geschichte einer verlassenen Ehefrau, die um ihr Erbe kämpfen muss, nur als “Wealth Porn”, also aus “Reichen-Voyeurismus”?
Ich finde: Die Erzählung ist dramaturgisch hochgeputscht (was aber den Erfolg ausmacht!), trotzdem fühlt man mit der betrogenen Erzählerin mit.
Und: Das Buch ist aus meiner Sicht ein schonungslos ehrlicher Beitrag zur Frage, wie Frauen, die das nie vorhatten und eigentlich besser wissen müssten, in eine gefährliche finanzielle Abhängigkeit geraten.

🎶 Sommer der Grunge-Girls: Die Pop-Superstars Olivia Rodrigo und CharliXcX haben Alben rausgebracht, die jedes Indie-Herz erfreuen: schlecht gelaunt, düster, gitarrenlastig. Ob damit das Ende der Club-Musik eingeläutet wird, wie Charli singt, weiß ich nicht; der Soundtrack passt aber perfekt zum Schlabbershirt-Trend.

NEU: Meine Newsletter-Sprechstunde!

Kira Brücks Artikel im “Journalist”.

“Sag mal, Julia, wie hast du das eigentlich mit dem Newsletter gemacht…?” Keine Frage wird mir beruflich öfter gestellt. Und ich berichte gern immer von meiner Reise mit Sunday Delight, von den Anfängen, von Fehlern, Learnings und Erfolgen, und teile mein Wissen aus über zehn Jahren Erfahrung mit Newslettern für diverse Medienhäuser.

Da sich die “Kann ich mit dir mal über Newsletter quatschen”-Anfragen aktuell aber derart häufen, dass ich nicht mehr hinterherkomme, habe ich eine Newsletter-Sprechstunde gestartet: Hier könnt Ihr einen Termin vereinbaren, ich nehme mir richtig viel Zeit für Euch und Euer Newsletter-Projekt und Ihr könnt mir in einem persönlichen Video-Call wirklich ALLE Fragen stellen, die Euch zum Thema auf der Seele brennen.

Lesetipp: Für die aktuelle Ausgabe des Branchenmagazins “Journalist” hat mich meine Fine Writers Society-Co-Gründerin Kira Brück zu Newsletter-Geschäftsmodellen interviewt und ich verrate, warum ich kein Fan mehr bin von “einfach mal Bezahlschranke einbauen”. Ein perspektivenreicher Mustread für alle, die schon mal mit dem Gedanken an einen eigenen Newsletter gespielt haben!

💌 Ich hoffe, Dir hat diese Ausgabe Spaß gemacht! Falls ja: Dann leite diese Mail doch unkompliziert an alle Freunde weiter, die sich auch dafür interessieren könnten – sharing is caring 🙂

🌠 Wünsche oder Feedback? Schreib mir gern eine Mail an [email protected]!

🎁 Werbung im Newsletter? Ich bin immer offen für spannende Kooperationen. Mein Mediakit versende ich auf Anfrage.

Bis nächsten Monat! Deine

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